evm legt Ergebnisse des ersten Regionalen Energiewende-Kompasses vor – Im Westerwaldkreis leisten mehr als 30 Prozent der Befragten ihren Anteil an der Energiewende

Die Energiewende stößt bei den Bürgern im Westerwaldkreis auf eine höhere Akzeptanz als im Bundesgebiet. Das hat die größte Bürgerumfrage, die in Rheinland-Pfalz bisher zu diesem Thema durchgeführt wurde, ergeben. Aus dem Westerwaldkreis nahmen 1.110 Bürger teil.

Initiator dieses Regionalen Energiewende-Kompasses ist die Energieversorgung Mittelrhein AG (evm). Wie Vorstandsvorsitzender Josef Rönz bei der Vorstellung der Ergebnisse erklärte, wollte die evm herausfinden, wie die Bürger vor Ort die Energiewende sehen und wie groß ihr Gestaltungswille ist.

Die Ergebnisse sind Josef Rönz zufolge durchaus ermutigend: So ist die Mehrzahl der Umfrageteilnehmer vom Nutzen der Energiewende überzeugt. Auf einer Skala von 1 bis 7 lag der Durchschnitt der Antworten aus dem Westerwaldkreis bei einem Wert von knapp über 6. Und die Westerwälder akzeptieren, dass die Energiewende mit höheren Kosten verbunden ist. Die Akzeptanz liegt hier deutlich über dem Durchschnitt in Rheinland-Pfalz.

Der Regionale Energiewende-Kompass ist im Rahmen einer breit angelegten Online-Bürgerumfrage entstanden. Die Teilnehmer stammen aus 50 Kommunen aus der Region, sechs Landkreise haben die Erstellung stark unterstützt. In die Ergebnisse sind am Ende die Angaben aus 5.192 ausgefüllten Fragebögen eingeflossen, die im Wesentlichen aus den Landkreisen Ahrweiler, Altenkirchen, Cochem-Zell, Eifelkreis Bitburg-Prüm, Mayen-Koblenz, Vulkaneifel sowie Neuwied und dem Rhein-Hunsrück-Kreis, Rhein-Lahn-Kreis, Westerwaldkreis und der Stadt Koblenz  stammen. Die Teilnehmer waren zwischen 16 und 89 Jahre alt.

Erfolg: Beteiligung fördert Akzeptanz
„Die Akzeptanz durch die Bürger ist eine elementare Voraussetzung dafür, dass die Energiewende gelingt“, beschreibt Josef Rönz die Relevanz des Projekts, „denn die Städte, Gemeinden und ihre Einwohner sind der Schlüssel für eine intelligentere Energienutzung.“ Es gebe viele Wege zu mehr Klima- und Ressourcenschutz. Um die Weichen dafür regional so stellen zu können, dass die Bürger mitgehen, bräuchten Kommunen, Landkreise und die evm als regionaler Energiedienstleister eine belastbare Datenbasis über die Bedürfnisse und Einstellungen der Menschen. Diese schafft jetzt der Energiewende-Kompass auf Gemeindebasis, der interessante Ergebnisse zutage gefördert hat. So ist beispielsweise das Engagement im Westerwaldkreis sehr hoch. Rund 30 Prozent der Teilnehmer besitzen bereits ein energieeffizientes Gebäude und rund 25 Prozent der Befragten planen, in einen Energiespeicher zu investieren.

Landrat Achim Schwickert ist mit den Ergebnissen überaus zufrieden. „An der Erhebung zum Energiewende-Kompass haben sich in unserem Landkreis überproportional viele Bürger beteiligt. Darüber bin ich sehr froh. Die Ergebnisse sind somit repräsentativ und erlauben uns sinnvolle Schlussfolgerungen.“ Da verhältnismäßig viele Teilnehmer erklärt haben, dass sie sich unzureichend über Fördermöglichkeiten informiert fühlen, wollen der Westerwaldkreis und die evm verstärkt über Zuschüsse informieren. Schließlich kämen solche Investitionen nicht nur der Umwelt, sondern auch dem örtlichen Handwerk zugute.

Wünsche: Transparenz und mehr finanzielle Förderung
„Ich sehe die eigentliche Herausforderung der Energiewende darin, sie so zu gestalten, dass die Kommunen und Landkreise langfristig etwas davon haben. Das wirkt sich positiv auf die Lebensqualität der Menschen und damit auch auf die Akzeptanz der notwendigen Veränderungen aus“, zeigt sich evm-Unternehmenssprecher Christian Schröder überzeugt. Für ihn ist klar, dass die Energiewende nur gelingt, wenn sie regional umgesetzt wird und zwar so, dass sie wirksam und bezahlbar ist. Finanzielle Ressourcen spielen auch bei den Teilnehmern am Energiewende-Kompass eine große Rolle. Die Bereitschaft, die Kosten der Energiewende mitzutragen, ist dabei im nördlichen Rheinland-Pfalz sehr viel ausgeprägter als im Rest des Landes. Auf einer Skala von 1 bis 7 liegt der Wert hier bei 4,4, in Rheinland-Pfalz insgesamt dagegen nur bei 3,8.

Konkret wünschen sich Bürger im nördlichen Rheinland-Pfalz höhere finanzielle Förderungen des persönlichen Engagements, eine stärkere Umsetzung von Energiewendeprojekten in der eigenen Gemeinde, einen Abbau des Bürokratismus sowie transparente, ehrliche Informationen. Als bisher größte Hindernisse sehen sie neben finanziellen Ressourcen vor allem mangelnde Mitsprachemöglichkeit. Als konkreten Beitrag zur Energiewende geben überdurchschnittlich viele Menschen im nördlichen Rheinland-Pfalz an, Strom und Heizungswärme sparen zu wollen, sowie Ökostromkunde zu sein.

Ergebnisse: wertvolle Basis für Gestaltung der Energiezukunft
Auffallend an den Ergebnissen ist, dass die Energiewende beispielsweise im Westerwaldkreis in nahezu allen Punkten positiver gesehen wird als im Landes- oder Bundesdurchschnitt. Das gilt sowohl für das Engagement von Kommunen, in eigene Anlagen zur Erzeugung von Ökostrom zu investieren, als auch für die Akzeptanz solcher Anlagen in unmittelbarer Umgebung. Die Mehrheit der Befragten im Westerwaldkreis und dem übrigen Erhebungsgebiet ist davon überzeugt, dass die Energiewende die Lebensqualität in ihrer Gemeinde verbessert.

Christian Schröder sieht die Vorteile des Regionalen Energiewende-Kompasses für Landräte, Bürgermeister und Kommunen darin, dass ihnen die evm als kommunales Unternehmen unentgeltlich relevante Daten und Fakten für eine Weichenstellung der Energiezukunft liefert, die im Einklang mit der Bürgermeinung sind.  Auf diese Weise sind die Bürger beteiligt und können ihre Energiezukunft aktiv mitgestalten. „Die Bürger müssen mitmachen wollen. Ohne sie geht gar nichts“, sagt der evm-Sprecher. Seine These wird durch das Ergebnis gestützt. Die Forderung nach Transparenz und Beteiligung ist im Untersuchungsgebiet sogar höher als im Bundesdurchschnitt. Die wahrgenommene politische Einflussmöglichkeit bei der Energiewende wird nicht so gut bewertet wie auf Landes- und Bundesebene.

evm: Umsetzungspartner für Kunden und Kommunen  
Die evm zählt zu den Vorreitern einer aktiven Energiewende mit herausragenden Ergebnissen für den Klimaschutz. „Wir verstehen uns als Umsetzungspartner der Energiewende, indem wir die Themen Energieeffizienz und zukunftsfähige Energieversorgung aufgreifen und Kommunen mit konkreten Lösungen und Produkten unterstützen. Der Energiewende-Kompass ist ein weiteres Modul einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Kommunen und Landkreisen“, betont Schröder weiter. Schon seit vielen Jahren versorgt die evm alle Privatkunden ausschließlich mit Ökostrom – ohne Aufpreis. Darüber hinaus fördert sie mit Zuschüssen das persönliche Engagement ihrer Kunden zum Klimaschutz und für mehr Energieeffizienz, beispielsweise beim Austausch alter Ölheizungen oder der Anschaffung eines Erdgas- oder Elektrofahrzeugs. Sie bietet Privat- wie Geschäftskunden Contracting-Lösungen an, baut die Nahwärmeversorgung aus und investiert in Biomasse-, Wind- und Photovoltaikanlagen in der Region. Darüber hinaus haben Kommunen und Landkreise die Möglichkeit, sich an der evm zu beteiligen und so Einfluss auf die Unternehmenspolitik zu nehmen. „So haben wir zum Beispiel eine Wärmemarktstudie durchgeführt“, erklärt Christian Schröder und ergänzt: „Dafür haben wir in jeder Kommune das Potenzial für Nahwärmeversorgungen erhoben; auf Wunsch erarbeiten wir gemeinsam mit den Kommunen dann ein Konzept zur bestmöglichen Realisierung.“ In der Erhöhung der Energieeffizienz bestehender Gebäude liege ein großes Einsparpotenzial, betont er und fügt an: „Ob Energiewende-Kompass oder Wärmestudie – beide belegen, dass großes Interesse besteht, die Region in Sachen Klimaschutz voranzubringen. Darauf können wir stolz sein.“

Wissenschaftlich fundiert
Die dezentrale Energiewende-Analyse ist ein noch recht junges Instrument. Es ist jedoch wegweisend, weil es neben objektiven Daten die persönliche Haltung von Bürgern erhebt und damit eine sinnvolle Ausgangsbasis für Entscheidungen ermöglicht.

Der Energiewende-Kompass ist ein wissenschaftlich fundiertes Instrument zur Beurteilung und Steuerung der Energiewende. Seine Besonderheit: Er erhebt subjektive persönliche Faktoren der Befragten und ihre Akzeptanz der Energiewende, die er mit dem objektiven Stand der Energiewende verbindet. Die Ergebnisse werden Kommunen und Landkreise bei der Ausgestaltung der Energiewende auf eigenem Terrain unterstützen. Die aktuelle Messung wurde unterstützt vom Land Rheinland-Pfalz, dem Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz, der Energieagentur Rheinland-Pfalz, dem Verein Klimaschutz in Koblenz und der Handwerkskammer Koblenz. Durchgeführt wurde die Analyse von der EWI GmbH und einer Forschungsgruppe der Ludwig-Maximilian-Universität München unter der Leitung von Professor Anton Meyer, die sich vor allem mit Lebensqualität beschäftigt. Die EWI GmbH ist auf Monitoring und die Erhebung von Energiewende-Indizes spezialisiert; Professor Meyer beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit Fragen der Kundenorientierung und Lebensqualität sowie der ressourcen- und marktorientierten Unternehmensführung.