Gemündener Stammtischrunde kann viel erzählen

Der Stammtisch „Müde Knochen“ aus Gemünden feierte am 11. November 2017 sein 40-jähriges Bestehen. Für die Mitglieder war dieser runde Geburtstag ein guter Grund, gemeinsam mit ihren Partnerinnen zu feiern, Erinnerungen auszutauschen und gemeinsame Aktivitäten zu planen. Eingeladen hatten die

„Jubilare“ auch ihre ehemalige Vereinswirtin Christa Kreckel sowie Willi und Marion Wolf aus der Gründungsgaststätte Wolf & Fröhlich.


                        Rückblick
Am Freitag, den 11. November 1977, hatten etwa 15 junge Männer aus Gemünden bei ihrem Besuch in der Gaststätte Wolf & Fröhlich die Idee, sich regelmäßig zu treffen. Spontan gründeten sie einen Stammtisch. „Für den Namen durfte jeder einen Vorschlag machen. Am Ende einigte man sich auf „Müde Knochen“, denn der Stammtisch fand turnusgemäß nach Abschluss einer anstrengenden und ermüdenden Arbeitswoche statt“, berichten die Stammtischbrüder, zu deren Gründungsmitgliedern Peter Müller (Berzhahn), Friedhelm Bender (Willmenrod), Martin Müller (Höhn), Horst Schmitt (Gießen), Bernd Jung, Rainer Jung, Gerd Keßler und Andreas Keßler (alle Gemünden) gehören.
Das Interesse wuchs und die Runde wurde immer größer. „Von den schließlich 20 Kameraden sind im Laufe der Jahre auch schon einige Mitglieder verstorben. Neben den acht Gründungsmitgliedern wurden im Laufe der Jahre auch fünf jüngere Männer aus Gemünden, nämlich Elmar Birkenbach, Ralf Wagner, Thomas Lang, Norbert Lange und Christoph Wehr in den Stammtisch aufgenommen. Aktuell besteht der Kreis aus 13 Männern im Alter von 48 bis 63 Jahren.
                        Monatliche Treffen
Erste Stammtischmutter war die Gastwirtin Ilse Fröhlich, die in ihrer bekannt herzlichen Art die Jungs bewirtete. Nach der Schließung der Gaststätte Wolf & Fröhlich zogen sie in die Gastwirtschaft von Christa Kreckel um, die sich liebevoll bis zur Geschäftsaufgabe im Jahr 2012 um den Stammtisch kümmerte.
Erfreulicherweise wurde die letzte im Dorf verbliebene Gastwirtschaft von Kai-Peter Schwarz übernommen. Von nun an tagte man „Bei Hordels“. Aktuelle Stammtischwirtin ist Jenny Heep.
Bis in die 1990-er Jahre trafen sich die Stammtischbrüder wöchentlich freitags um 20 Uhr.
Mittlerweile finden die Treffen noch immer zum Wochenendstart statt, doch nur noch einmal im Monat und zwar um 19.30 Uhr. „Man(n) wird schließlich älter und ruhiger“, gibt die Männerrunde zu bedenken. Dabei ist besonders Horst Schmitt zu erwähnen, der eigens aus seinem Wohnort Gießen anreist, um regelmäßig beim Stammtisch dabei zu sein.


Das Foto zeigt einige Gründungsmitglieder mit ihrer Stammtischmutter Ilse Fröhlich.

                    Schöne Erinnerungen

Neben den turnusmäßigen Treffen gab es in den vergangenen Jahrzehnten auch andere Aktivitäten. So nahm der Stammtisch in der Anfangszeit an zahlreichen örtlichen und überörtlichen Fußballturnieren teil und veranstaltete solche auch selbst. „Besonders erwähnt werden muss das im Sommer 1978 veranstaltete legendäre Zeltlager „Malente“ in der Gemarkung Gemünden“, berichten die Männer. Der Name sei dem Trainingslager der Deutschen Fußballnationalmannschaft nachempfunden. „Denn die Teilnehmer befanden sich während der Fußballweltmeisterschaft zwei Wochen bei herrlichem Wetter im Intensivtraining für das Biertrinken und die damals noch nicht so bekannte Sportart ‚Chillen‘“, so die Erklärung.

Der Bierverlag Rehn in Westerburg freute sich in dieser Zeit über eine nicht unerhebliche Umsatzsteigerung. „Wir Stammtischbrüder haben damals, ähnlich wie die Fußballer der Nationalmannschaft, in jeder Hinsicht alles gegeben. Dieses Lager ist wegen der Geschehnisse, auf die mit Rücksicht auf noch lebende Personen hier nicht eingegangen werden kann, heute noch oft Gesprächsthema beim Stammtisch“, erzählen die Brüder munter weiter. Dann heißt es: „Weißt du noch, damals in Malente …“
                    Ausflüge unternommen
Wie verschiedene Fotoalben belegen, zeigte sich der Stammtisch stets sehr mobil. „So fanden mehrtägige Ausflüge mit unseren Busfahrern Geudsches Willi und Belz Günther, unter anderem in den Bayerischen Wald und an den Weissenhäuser Strand statt“, berichten die Stammtischbrüder.
Mehrere Tagesausflüge, beispielsweise zum Kloster Kreuzberg, nach Köln, Düsseldorf und Frankfurt wurden organisiert. Ebenso fuhr die muntere Truppe mehrmals zu sehr unterhaltsamen und feuchtfröhlichen Weinproben nach Appenheim in Rheinhessen.



Auch heute noch sind die Jungs mobil. Seit etlichen Jahren organisieren sie jeweils am letzten Juli-Wochenende ihren traditionellen Wanderausflug in die hessische Rhön. Zahlreiche Wanderrouten wurden bereits absolviert. „Natürlich werden bei diesen Touren alle auf dem Weg liegenden Einkehrmöglichkeiten zur Stärkung genutzt“, geben sie offen zu. In den letzten Jahren besuchten sie aber auch mehrfach das Eskimofest in Neuhochstein. Schon jetzt freuen sie sich wieder auf die Westerwälder Wurstwanderung in Rotenhain, die am kommenden Samstag stattfindet. Diese Aktivitäten zeigen, dass die Knochen gar nicht so müde sind.


 
Das Foto zeigt die aktuellen Stammtischbrüder mit ihrer ehemaligen Vereinswirtin Christa Kreckel sowie Regina Jung aus der Gründungsgaststätte Wolf&Fröhlich und Jenny Heep, die heutige Wirtin.
 

                    Gemütliche Runde
Die Stammtischabende „Bei Hordel‘s“ finden in gemütlicher Atmosphäre statt. Man spricht über das aktuelle Dorfgeschehen, die Politik und natürlich die Vergangenheit.


Nach dem Motto „Essen und Trinken sind der Sex des Alters“ gibt es meistens einen „kleinen“ Imbiss, den die Stammtischbrüder wechselweise mitbringen. So gab es in der Vergangenheit unter anderem Deppekouche, Pizza, Fleischkäsebrötchen, gebratene Blutworscht, eingelegte Heringe und Hausmacher Wurst. Es waren aber auch kalorienarme, leichte Gerichte wie Schlachtplatte und Grillhaxen dabei.



„Da wir Stammtischbrüder mittlerweile in die Jahre gekommen sind und bei älteren Menschen immer die Gefahr des Dehydrierens besteht, sind wir uns in dem einen Punkt einig: Es muss immer für eine geregelte Flüssigkeitszufuhr gesorgt werden. Dazu ist ein isotonisches Gerstengetränk aus einer namhaften Hachenburger Produktionsstätte geradezu prädestiniert“, erläutern die Männer, die immer für einen Scherz aufgelegt sind.

„Wir hätten noch eine Bitte“, so die Männer und erzählen, dass dem Stammtisch leider beim letzten Oktoberfest der 40 Jahre alte Stammtischwimpel abhanden gekommen ist. Die „Müden Knochen“ bitten nun den „Entleiher“ um Rückgabe. „Dies kann ganz diskret erfolgen, indem man das wertvolle Stück bei einem der ortsbekannten Stammtischbrüder in den Briefkasten steckt. Sollte die Bereitschaft dazu nicht vorhanden sein, kann sich der Entwender bei Jenny Heep auch noch den schmiedeeisernen Ständer abholen, damit er das Ensemble komplett hat“, so ein Stammtischbruder augenzwinkernd.   (Text und Foto: Ulrike Preis)