thumb Altkleidercontainer06-2013Geschäftemacher stecken Profite ein - Karitative Organisationen haben das Nachsehen

Das Geschäft mit ausrangierter Kleidung boomt. Karitative Einrichtungen wie das Deutsche Rote Kreuz oder die AWO beklagen jedoch einen deutlichen Spendenrückgang.

Denn immer mehr illegale Altkleidercontainer tauchen auch im Westerwaldkreis auf.                                                                                        

Diese illegal aufgestellte Altkleidercontainer machen den karitativen Organisationen zunehmend zu schaffen. Vor Supermärkten, an Durchgangsstraßen und Plätzen werden immer mehr Container aufgestellt, deren Aufschrift einen karitativen Zweck nur vortäusche, sagt Joachim Rockenfeller von der Kreisverwaltung in Montabaur. Zudem verschandeln sie oft das Ortsbild.                                                             

Auf Rockenfellers Schreibtisch laden die vielen Beschwerden von Grundstückseigentümern auf deren Eigentum unerlaubt und über Nacht ein Altkleidercontainer aufgestellt wurde. Laut Rockenfeller sind die Preise für ausrangierte Textilien seit 2010 um 80 Prozent gestiegen. Für eine Tonne Altkleider zahlen Sortierbetriebe gut 450 Euro. Aufgrund der hohen Gewinnmargen stürzen sich viele windige Geschäftemacher in das lukrative Geschäft mit den Alttextilien. So sind etwa 40 Prozent der Altkleidercontainer nicht von karitativen Organisationen aufgestellt worden. Das heißt, die Aufsteller stecken den Erlös in die eigene Tasche. Grundstückseigentümer, die einen unerlaubt aufgestellten Container auf ihrem Grundstück vorfinden, bleibe nur eine privatrechtliche Auseinandersetzung mit dem Aufsteller, so Rockenfeller. Das kann zum Beispiel über eine Abmahnung und  Unterlassungsklage laufen. Im Internet raten Betroffene unter anderem zum Verschließen des Einwurfs mit Klebefolie und dem Anbringen von Hinweiszettel, dass hier illegal gesammelt wird.                                                                              Für soziale Organisationen sind Altkleidersammlungen eine wichtige Einnahmequelle - mit dem Erlös sollen gemeinnützige Projekte unterstützt werden. Zehn Prozent der gesammelten Kleider kommen Bedürftigen über Kleiderkammern oder Second-Hand-Shops zugute, 90 Prozent werden verkauft. Auf diese Weise nahm das Deutsche Rote Kreuz 2011 etwa zwölf Millionen Euro ein.

Altkleidercontainer06-2013
Wie erkennt man Altkleidercontainer, die sozialen Zwecken dienen?
Diese Container sind laut Rockenfeller mit der vollständigen Adresse und Telefonnummer der sammelnden Organisation beschriftet. Container der kirchennahen Organisation tragen ein FairWertung-Siegel. Es soll garantieren, dass die Altkleider Bedürftigen zukommen oder aus ihrem Verkauf soziale Projekte finanziert werden. Auch der Bundesverband für Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) zertifiziert Unternehmen im Hinblick auf faires Textilrecycling. Fehlen konkrete Angaben zur sammelnden Organisation, ist der Container zumindest verdächtig.
Worauf sollte man bei Sammlungen auf der Straße und an der Haustür achten?
Emotionale Werbesprüche wie "Hilfe für Flutopfer" oder "Helfen Sie, damit wir helfen können" sollten Spender misstrauisch machen. Auch wenn auf Sammelzetteln nur eine Handynummer steht und keine oder nur eine Adresse, die weit entfernt ist, seien Zweifel angebracht. Einige illegale Sammler nutzen demnach auch Symbole wie Kirche, Kreuz und Weltkugel, die an kirchliche und soziale Organisationen erinnern und so Vertrauen wecken sollen.
Wie kann ich mich gegen illegale Sammlungen wehren?
Ob der Verein, der angeblich für einen guten Zweck sammelt, überhaupt existiert, lässt sich übers Internet prüfen. Jedes Bundesland hat ein elektronisches Vereinsregister, das teilweise frei zugänglich ist. Auch das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen erteilt Auskunft über Vereine. Jeder kann das Ordnungsamt informieren, wenn plötzlich einfach ein Wäschekorb oder ein Sammeleimer vor der Haustür steht. Hinter diesen Aktionen steht meistens keine gemeinnützige Organisation - auch wenn auf den Werbezetteln deren Name verwendet wird.
Die Kreisverwaltung bittet, dubiose Altkleidercontainer, die kein Logo oder Anschrift einer bekannten karitativen Organisation tragen, unter Telefon 02602/124372 oder Email Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zu melden