NABU: Richtig umgesetzter Herdenschutz ist wichtig im Umgang mit dem Wolf

Bestandteil unserer Natur und auch der KulturlandschaftenSchafherde mit Herdenschutzhund Klemens Karkow NABU v1

Als heimische Wildtiere sind Wölfe ein Bestandteil unserer Natur und auch der Kulturlandschaften. Der NABU Rheinland-Pfalz weiß, dass die Ausbreitung der Wolfsbestände in Deutschland neue Herausforderungen mit sich bringt. Gerade in dichter besiedelten Gebieten, in denen häufig Weidetiere gehalten werden, wie hier im Westerwald, sind diese hoch. Die vermehrt stattgefundenen Risse in der Verbandsgemeinde

Altenkirchen-Flammersfeld sorgten für Diskussionen, ab wann von einem problematischen Verhalten eines Wolfes gesprochen werden kann.

Beim Umgang mit dem Wolf steht die Sicherheit des Menschen an erster Stelle. So ist es auch im Wolfsmanagementplan des Landes Rheinland-Pfalz festgehalten. Hierbei ist wichtig zu wissen, dass Wölfe dem Menschen gewöhnlich ausweichen, bevor dieser das Tier überhaupt bemerkt. Damit von einem problematischen Verhalten eines Wolfes gesprochen werden kann, muss ein Wolf, nach Auskunft des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland-Pfalz (MKUEM), ein artuntypisches Verhalten gezeigt haben. Das Überwinden mehrerer nicht oder nicht ausreichend gesicherter Weidezäune oder auch das einmalige Überwinden eines gesicherten Zaunes machen den Wolf nach Bundesnaturschutzgesetz noch nicht zu einem Tier mit artuntypischem Verhalten. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) hat zudem herausgefunden, dass die meisten Schäden dort entstehen, wo Wölfe neue Territorien etablieren. Sobald die Schutzmaßnahmen entsprechend angepasst wurden, gehen die Schäden nach 1–2 Jahren zurück.

Wie bei anderen gefährdeten Wildtierarten auch, gelten für den Wolf nach wie vor die Vorgaben des europäischen Artenschutzrechts, die Entwicklung einer sich selbst erhaltenden Population zu ermöglichen. Ob das gelingt, hängt in hohem Maße davon ab, ob bei der Bevölkerung und insbesondere bei den Weidetierhalter*innen eine Akzeptanz für die Tierart geschaffen oder erhöht werden kann. „Zunächst muss alles getan werden, um dem Wolf das Herankommen an Schafe, Ziegen oder Damwild so schwer wie möglich zu machen“, sagt NABU-Wolfsbotschafter Willi Faber. „Wenn ein Wolf mehrfach nach den vorgegebenen Standards gesicherte Zäune überwindet, so muss der Schutz verbessert werden. Hilft das nicht, kann der Wolf mit einem Sender versehen und Vergrämungsmaßnahmen, wie z.B. Gummigeschosse, eingesetzt werden. Erst an letzter Stelle steht die Entnahme eines Tieres mit problematischem Verhalten.“

Schafherde mit Herdenschutzhund Klemens Karkow NABU v1

Schafherde mit Herdenschutzhund - (Foto: Klemens Karkow/NABU)

Eine konsequente Entnahme von Wölfen, die Nutztiere reißen, ist konkret schwer umsetzbar und führt eher zur Verschlechterung der Situation vor Ort. „Denn hier muss überprüft werden, ob es sich um ein Jungtier oder ein Elterntier handelt,“ sagt Faber. „Junge Wölfe, die aufgrund eines fehlenden Vorbildes nicht gelernt habe, zu jagen, wählen eher die leichter zu erbeutenden Weidetiere aus.“ Auch eine feste Abschussrate kann nicht verhindern, dass irgendwann wieder ein Tier einwandert, das sich möglicherweise auf nichtgeschützte Weidetiere spezialisiert. Eine Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht ist nicht EU-rechtskonform. „Viel effektiver ist ein wirkungsvoll umgesetzter Herdenschutz mit sicheren Zäunen, die eine ausreichende Spannung aufweisen, und ggf. der Einsatz von Herdenschutzhunden.“

Beim Umgang mit dem Wolf ist es wichtig, einen guten und nachhaltigen Interessenausgleich zwischen den Bedürfnissen des Menschen und der Wildtiere zu schaffen. Aus Sicht des NABU sind hier eine sachliche Information der Bevölkerung sowie eine lösungsorientierte Zusammenarbeit von Naturschutz-, Jagd- und Landwirtschaftsverbänden, Weidetierhalter*innen, Wissenschaft und Behörden wichtig. Zu dem ist eine weitere Unterstützung der Weidetierhalter*innen insbesondere bei der Instandhaltung der Schutzzäune nötig. Hierzu hat das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität (MKUEM) ab dem 1. November 2021 neben den bisherigen Fördermöglichkeiten eine zusätzliche finanzielle Unterstützung für die Pflege der Schutzzäune in Aussicht gestellt. Darüber hinaus fordert der NABU ein bundesweites Programm zur Förderung der Weidetierhaltung und eines umfassenden Herdenschutzes, auch aus Mitteln der Agrarförderung. Dies sollte auch präventiv zusätzlich in Gebieten umgesetzt werden, in denen noch keine festen Wolfsterritorien bestehen.

Dem NABU Rheinland-Pfalz ist ein sachlicher Austausch zwischen Naturschützer*innen und Weidetierhalter*innen, auch zur konkreten Situation im Westerwald, ein wichtiges Anliegen. Deshalb bringt er sich aktiv am Runden Tisch „Großkarnivoren“ sowie bei der weiteren Bearbeitung des Wolfsmanagementplans für Rheinland-Pfalz ein. Hierbei ist eine respektvolle und sachliche Diskussion wichtig, die miteinander anstatt übereinander stattfindet. Der NABU fordert eine fachliche und praktische Unterstützung der Weidetierhalter*innen vor Ort. In Gesprächen mit Politiker*innen auf Landes-, Bundes-, und EU-Ebene setzt sich der NABU für funktionierende Lösungen ein und wirkt an deren Umsetzung mit.