Dringend gesucht: Erste-Hilfe-Ausbilder

Jetzt mit der Qualifikation starten und Ersthelfer schulen
Westerwaldkreis. Jeder Erwachsene, der einmal eine Führerscheinprüfung abgelegt hat, kennt den dafür vorgeschriebenen Erste-Hilfe-Kurs. Wer sich besinnt, erinnert sich vielleicht an die Person, die einem damals erklärt hat, was die Rettungskette ist und wie Lebensrettende Sofortmaßnahmen im Notfall durchzuführen sind. Ein wichtiger Job, den so ein Erste-Hilfe-Ausbilder da ausübt. Doch haben Sie sich einmal gefragt, wer diese Person ist, die diesen Kurs unterrichtet?
Oliver Thinius leitet seit einigen Jahren den Bereich Ausbildung bei den Maltesern im Westerwaldkreis. In dieser Funktion koordiniert er die verschiedenen Erste-Hilfe-Kurse. Er sorgt dafür, dass Kurse ausgeschrieben werden, Räume dafür zur Verfügung stehen und auch ein passender Ausbilder bei den Terminen zur Verfügung steht. Doch genau das stellt den ehrenamtlichen Malteser immer häufiger vor ein Problem: Denn es gibt zu wenige Erste-Hilfe-Ausbilder. Woran das liegt, wer dafür in Frage kommt und wie die Qualifizierung abläuft, erklärt er im Interview:

Oliver Thinius, warum fehlen im Westerwaldkreis aktuell Erste-Hilfe-Ausbilder?
Oliver Thinius: Das Problem haben nicht nur die Malteser und es liegt auch nicht am Standort Westerwaldkreis. Vielmehr ist es für alle Hilfsorganisationen in den letzten Jahren schwieriger geworden, geeignete Interessenten für diese Art nebenberuflicher Tätigkeiten zu finden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Häufig haben wir junge Menschen, die sich in diesem Bereich engagieren wollen und zum Ausbilder schulen lassen. Das ist toll und wir freuen uns über jeden, der sich engagiert. Leider verlieren wir sie aber nach kurzer Zeit schon wieder, weil sie andernorts ein Studium oder eine Ausbildung beginnen. Manchmal sind es aber auch familiäre oder berufliche Veränderungen, die verständlicherweise dazu führen, dass jemand zeitlich so unflexibel wird, dass er als Ausbilder nicht mehr in Frage kommt.

Welche Voraussetzungen sollte ein Ausbilder mitbringen?
Oliver Thinius: Formal gibt es nur zwei Kriterien, die ein Ausbilder zu erfüllen hat: Er sollte volljährig sein und einen Führerschein haben, um mit dem Auto zu den Einsatzorten fahren zu können. Außerdem sollte ein Ausbilder in der Lage sein, sich gut auf verschiedene Menschen einstellen zu können und er sollte zeitlich möglichst flexibel sein, da Kurse auch werktags stattfinden. Erfahrungsgemäß sind Personengruppen wie Frührentner und Mütter, deren Kinder aus dem Haus sind, besonders gut für diese verantwortungsvolle Tätigkeit geeignet, weil sie oftmals eine neue Aufgabe und Herausforderung suchen und bereit sind, sich auch langfristig zu engagieren. Ein bestimmter Schulabschluss oder Vorkenntnisse im medizinischen Bereich sind nicht nötig, die Teilnehmer lernen alles bei uns. Auch braucht man kein Geld in die Hand zu nehmen – die Ausbildung finanzieren ebenfalls die Malteser.

Wie sieht die Ausbildung konkret aus und wie lange dauert sie?
Oliver Thinius: Zunächst bekommen Interessenten im Rahmen von Lehrgängen das notwendige Hintergrundwissen beigebracht. Sie lernen damit alles, was sie später selbst unterrichten: Wiederbelebung, Verbände anlegen, Verhalten bei einem Schlaganfall usw. Die Lehrgänge bestehen dabei aus Blöcken, die je nach den zeitlichen Möglichkeiten jedes Einzelnen recht schnell in zwei bis drei Monaten, aber auch über ein halbes Jahr verteilt, absolviert werden können. Die Teilnehmer fahren dafür auf Kosten der Malteser beispielsweise an Wochenenden in unsere Ausbildungszentren. Auf dem Programm stehen neben medizinischem Hintergrundwissen auch der Umgang mit dementen Personen und Methoden für einen lebendigen Unterricht sowie Rhetorik. Bevor sie dann ihren ersten Kurs halten, hospitieren und assistieren sie dann bei einem erfahrenen Malteser Ausbilder und probieren sich nach und nach als Kursleiter aus.

Wie werden die Ausbilder eingesetzt?
Oliver Thinius: Unser Kursangebot richtet sich in erster Linie an Führerscheinneulinge, die wir in Wallmerod und an anderen Kursorten außerhalb schulen. Darüber hinaus haben wir die offenen Kurse für Privatleute, aber auch spezielle Kurse für Firmen und Betriebe, die ihre Mitarbeiter zu betrieblichen Ersthelfern schulen müssen. Diese Kurse finden meistens werktags in den Firmen vor Ort statt, aber auch Wochenend- und Abendtermine sind möglich. Die Einsätze dauern in der Regel 9 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten. Der Ausbilder kann selbst entscheiden, wie häufig er Einsätze annimmt und sich zudem noch spezialisieren, beispielsweise auf die Erste Hilfe bei Kindern. Dafür gibt es noch mal spezielle Fortbildungen und eigene Kurse, die die Ausbilder später selbst in Absprache mit mir absolvieren können. Die Arbeit ist übrigens nicht umsonst. Je nach persönlicher Situation ist eine Übungsleiterpauschale, eine Beschäftigung auf 450-Euro-Basis oder auch als Honorardozent möglich. Wer mag, kann sich darüber hinaus bei den Maltesern auch noch weiter qualifizieren und in anderen Bereichen mitarbeiten.

Warum ist die Erste-Hilfe-Ausbildung so wichtig?
Oliver Thinius: Jeder möchte doch die Gewissheit haben, dass ihm im Notfall geholfen wird. Unsere Erste-Hilfe-Ausbildung setzt genau dort an. Wir möchten Menschen in die Lage versetzen zu helfen, so dass sie nicht vor Schreck erstarren und hilflos sind, wenn etwas passiert, sondern aktiv werden und im Zweifel ein Leben retten. Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir Menschen finden, die genau das anderen beibringen: 112 wählen, Notruf absetzen, Erste Hilfe leisten. Und mal ehrlich: Ist es nicht schön, wenn man sagen kann, dass man mit seiner Arbeit Leben rettet?!

Kontakt:
Wer sich für die Ausbildung zum Erste-Hilfe-Ausbilder interessiert kann sich wie folgt an Oliver Thinius wenden: Tel.: 06435 - 1212 bzw. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

(Text: Oliver Thinius Malteser Hilfsdienst e.V. Westerwald)