Night of Light im WällerLand

Die Veranstaltungsbrache signalisiert ihr glühendes Anliegennightofthelight 3 tast

Ein toller Hingucker: Zahlreiche Industriegebäude des Stöffel-Parks waren in der Nacht von Montag auf Dienstag (22 bis 1 Uhr) in rotes Licht getaucht. Sogar von Lochum/Alpenrod aus war die Beleuchtung zu sehen. onEvent (Westerburg) und WiKuKu (Kaden, Grube Anna) waren hier die Akteure. Es handelt sich um ein Signal, das bundesweit gegeben wurde. Die Aktion „Night of Light“ will zeigen:

Die Veranstaltungswirtschaft befindet sich auf der „Roten Liste“ der aussterbenden Branchen, Hunderttausende Arbeitsplätze sind in Gefahr. Und: Die Farbe Rot steht für die Leidenschaft für unseren Beruf, unsere Profession. Wir brennen für das, was wir tun. So ist es auch unter www.nightoflight.de nachzulesen.

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von links: Christian Jüdt (onEvent), Tomm Jeckel und Kirsten Sauer (WiKuKu).

Solidarität bekunden
Eine Reihe von passionierten Fotografen (die ja auch oft privat oder beruflich von Veranstaltungen profitieren) war gekommen, um das Ereignis festzuhalten, auch einige Mitglieder des Stöffelvereins waren erschienen. Die Aktion musste äußerst spontan umgesetzt werden, besondere Werbung konnte daher nicht gemacht werden.

Die Coronaepidemie hat viele Menschen hart getroffen. Im besonderen Maße auch Veranstalter, Künstler, Köche, Techniker – alle, die mithelfen, Kunst, Kultur und Unterhaltung zu vermitteln oder einen passenden, einen faszinierenden, einen behaglichen Rahmen dafür zu bieten. Das Publikum, die Journalisten, die Zeitungen, der Leser spüren das Stocken dieser riesigen Branche ebenso. Das öffentliche Leben ist ärmer geworden. Dabei fördern Events (zu Deutsch: Veranstaltungen, Ereignisse) das friedliche Zusammensein, positive gemeinsame Erlebnisse, lenken ab von Ängsten und Einsamkeit, stärken die Seele, bereichern unser Leben. Doch dahinter stecken Dienstleistungen.

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Veranstaltungstechnik meets Kunst
Für das WällerLand hat der Stöffel-Park in Enspel die rote Flagge gehisst. Konkret gesagt: Die Firma onEvent aus Westerburg (http://www.onevent.com/), die seit vielen Jahren Veranstaltungstechnik anbietet, kam auf den Geschäftsführer Martin Rudolph zu. Christian Jüdt wollte sich dem deutschlandweiten Aufruf anschließen, auf die Lage der Branche aufmerksam zu machen, die durch die Corona-Pandemie „von 100 auf 0“ runtergefahren wurde. Er möchte, dass die Medien, die Politik, die Öffentlichkeit erfährt, wer alles hinter Veranstaltungen steckt.
„Das ist eine Riesenbrache mit ganz vielen Menschen.“ Jüdt betonte: „Die nächsten 100 Tage können entscheidend sein.“ Gemeint ist u.a. die Hilfe durch den Staat. Wenn Unternehmen Pleite gehen, ist das für den Einzelnen eine Katastrophe, die Durchführung von Events wird unmöglich und das Know-how verschwindet auch.
Als Notsignal tauchte onEvent Gebäude des Stöffel-Parks und die Open-Air-Bühne in rotes LED-Licht. Die historische Industrieanlage ist selbst längst eine wichtige Veranstaltungsplattform geworden und wird für kleine wie große Events – privat oder gewerblich – gerne genutzt. Corona aber hat viele Termine weggefegt.

Kunsteindrücke von WiKukK
Bei der Night of Light in Enspel waren auch Künstler von „WiKuKu – Zentrum für Wind, Kunst und Kultur“ (wikuku.net) aus Kaden aktiv. Kirsten Sauer und Tomm Jeckel setzten im Stöffel ihre Lichtkunst ein. Dafür bemalt Kirsten Dias von 18 mal 18 Zentimeter, die dann auf die Gebäude projiziert werden. Strukturen und Muster erscheinen, betonen oder überlagern die Flächen und können Märchenwelten erschaffen. An diesem Abend setzte WiKuKu natürlich den Schwerpunkt auf das Thema „Rot“.

Es geht um Lebenskunst
Neue Kontakte schließen, sich noch besser verwurzeln, das wünscht sich Tomm Jeckel von der Aktion in Enspel. Er klagte nicht: Einige Events würden nachgeholt, und etwas Soforthilfe gab es, wenn diese auch nicht viel Sicherheit vermittle. Zwischenmenschlich gesehen konnte er im privaten Bereich der Coronazeit sogar etwas Gutes abgewinnen. Er wirkte authentisch, ein echter (Lebens-)Künstler.

Tomm Jeckel sah an dem Abend nicht schwarz, sondern betonte seine positiven Gefühle in der lauen Sommernacht. Sicherlich konnte er glücklich sein, da er hier und jetzt in dem Bereich, den er liebt und der sein Schicksal und sein Leben ist, tätig wurde: seine Kunst. Insofern war die Demonstration schon wieder ein wunderschönes Event, das Hoffnung gab und wie ein Leuchtturm auf hoher See wirkte.
(Fotos und Text: Tatjana Steindorf)