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Projekt Eisvogel – Hoffnung für den Wiesensee

Es sollen drei spezielle Brutröhren in die Uferbereiche eingebaut werden Eisvogel am Wiesensee 1 v1

Wenn der Wiesensee in naher Zukunft wieder angestaut wird, könnte ein farbenprächtiger Bewohner zurückkehren, der vielen Naturliebhabern im Westerwald am Herzen liegt: der Eisvogel. Der Eisvogel sowie sein Einzugsbereich ist durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt und fällt zudem unter die europäische Vogelschutzrichtlinie. Obwohl er nicht unmittelbar vom Aussterben bedroht

ist, wird er aufgrund seiner Spezialisierung und Abhängigkeit von intakten Gewässern in der Roten Liste geführt. Der Verlust natürlicher Gewässerdynamik und Störungen an den Brutplätzen sind für seinen Rückgang Hauptgefährdungsfaktoren. Der Eisvogel ist ein Höhlenbrüter, der steile Uferabbrüche an sauberen, fischreichen Gewässern benötigt. Naturschutzmaßnahmen konzentrieren sich auf den Erhalt und die Renaturierung von Bach- und Flussläufen sowie Seeufer.

Eisvogel am Wiesensee 1 v1

Der Eisvogel am WiesenseeFoto: Gabi Basting

Mit dem „Projekt Eisvogel“ setzt die Lebenshilfe Westerwald ein Zeichen für gelebten Naturschutz – und für gelungene Teilhabe. Gemeinsam mit Menschen mit Behinderung soll am Ufer des Sees wieder ein neuer Lebensraum für den bedrohten Vogel entstehen. Das Umweltprojekt wird durch die „Kleinen Bienenretter“ und der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt gefördert. Der Eisvogel, oft „fliegender Edelstein“ genannt, benötigt steile, ungestörte Uferböschungen, in die er seine Brutröhren gräbt. Genau diese Bedingungen gingen am Wiesensee im Laufe der vergangenen Jahre verloren. Fehlendes Wasser, Erosion und zunehmende Störungen ließen geeignete Brutplätze verschwinden. Die Wiederansiedlung des Eisvogels galt damit lange als schwierig. „Der Eisvogel ist völlig aus der Region verschwunden, da Wasser und Fische verschwunden und die notwendigen Steilwände zur Brut verbuscht sind,“ so Rolf Koch, der Umweltbeauftragte der Verbandsgemeinde Westerburg.

Unter seiner Leitung trafen sich in den vergangenen Jahren Kinder, Jugendliche und Erwachsene, um rund um den Wiesensee und dem Naturschutzgebiet Seebachtal Wohlstandsmüll einzusammeln. Mit dem Wiederanstau des Wiesensees bietet sich nun eine einmalige Gelegenheit, die Uferzone ökologisch neu zu gestalten. Hier setzt das neue Vorhaben der Lebenshilfe Westerwald an: Im Rahmen ihres bekannten Umweltbildungsprojekts „Kleine Bienenretter“, bei dem Menschen mit Behinderung aktiv in Natur- und Artenschutz einbezogen werden, sollen drei spezielle Brutröhren in die Uferbereiche eingebaut werden. Diese künstlichen Röhren, die den natürlichen Bruthöhlen des Eisvogels nachempfunden sind, ermöglichen es, den Vögeln sofort geeignete Brutbedingungen zu bieten, ohne auf natürliche Steilufer warten zu müssen.

Projekt Eisvogel am Wiesensee1

Foto: Rolf Koch 

Die Montage ist anspruchsvoll, denn Materialien, Ausrichtung und Lage im Gelände müssen exakt stimmen – eine Aufgabe, die im Projekt mit viel Sorgfalt und Teamarbeit umgesetzt wird. „Wir möchten zeigen, dass Naturschutz und Inklusion Hand in Hand gehen können“, sagt Koch, der auch der 1. Vorsitzende der Lebenshilfe Westerwald ist. Die Teilnehmenden bauen nicht nur die Röhren mit ein, sondern begleiten das Projekt auch über die kommenden Monate hinweg: Sie beobachten Veränderungen am See, dokumentieren mögliche Tiersichtungen und helfen bei weiteren Pflegearbeiten am Ufer. Für viele von ihnen bedeutet diese Arbeit weit mehr als eine Beschäftigung: Sie erleben, dass ihre Tätigkeiten unmittelbar Wirkung zeigen – auf die Natur und auf die Gemeinschaft. Sollte der Eisvogel die neuen Brutröhren annehmen, wäre das ein starkes Zeichen für den naturnahen Wiederaufbau des Wiesensees. Gleichzeitig würde das Projekt ein öffentlich sichtbares Beispiel dafür, wie wichtige ökologische Initiativen durch inklusive Arbeit gestärkt werden können. Die Region darf also hoffen: Wenn alles nach Plan läuft, könnte schon bald wieder der auffällige blau-orange Blitz über die Wasseroberfläche des Wiesensees schießen – und das dank eines Projekts, das Herz und Natur gleichermaßen im Blick hat.

Rolf Koch
Umweltbeauftragter der Verbandsgemeinde Westerburg