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Mörderisch gute Premiere von „Halbpension mit Leiche“ im Petermännchen-Theater

Krimi-Komödie brilliert mit facettenreichen Rollen und pointiertem Timing

Mit der Premiere der Kriminalkomödie „Halbpension mit Leiche“ ist dem Petermännchen-Theater in Rothenbach ein eindrucksvoller Einstieg in ein neues Genre gelungen. Bereits vor dem offiziellen Beginn wird deutlich, dass dieser Abend mehr bereithält als eine klassische Inszenierung: Mit einem überraschenden Element im Foyer und Zuschauerraum gelingt es dem Ensemble, das Publikum

frühzeitig in das Geschehen einzubinden und eine besondere Nähe zur Handlung aufzubauen.

Im Zentrum des Stücks steht die Pension „Fünf im Glück“, deren Betreiber eine ebenso ungewöhnliche wie brisante Vergangenheit teilen. Fünf ehemalige Mitglieder einer Selbsthilfegruppe für Mörder wagen einen Neuanfang. Ein Vorhaben, das von Beginn an unter Spannung steht. Die bewusst gegensätzlich angelegten Figuren sorgen dabei für ein fragiles Gleichgewicht, das sich im Laufe des Abends zunehmend auflöst und in turbulente Entwicklungen mündet.

Facettenreiche Figuren sorgten im „Kleinen Haus“ des Petermännchen-Theaters für einen vergnügsamen Theaterabend. - Foto: Petermännchen-Theater Westerburg e.V.

Inhaltlich gelingt es dem Stück, schwarzen Humor und klassische Krimielemente wirkungsvoll miteinander zu verbinden. Wenn schließlich eine Leiche das ohnehin instabile Gefüge der Pension erschüttert, verdichtet sich das Geschehen zu einem unterhaltsamen Zusammenspiel aus Spannung und Komik.
Das Ensemble überzeugt durchweg mit Spielfreude, Präzision und einem feinen Gespür für Timing. Holli Wallace prägt als Molly Biedermann mit souveräner Präsenz und doppeldeutigen Humor das Geschehen und fungiert als zentraler Anker der Inszenierung. Thomas Triesch setzt als cholerischer Koch Horst mit impulsiven Ausbrüchen und trockenem Witz markante Akzente und verleiht der Handlung zusätzliche Dynamik.
Julia Hahn gestaltet die Rolle der esoterischen Jayashree mit einer leichten, augenzwinkernden Note und vermeidet dabei bewusst klischeehafte Überzeichnung. Jan-Luca Klöckner überzeugt als überkorrekter Ingolf mit präzise gesetzter Komik und körperlicher Präsenz, während Ute Thoma als zerstreutes Tantchen Schröder mit warmherziger Ruhe einen wohltuenden Gegenpol zum turbulenten Geschehen bildet.
Auch die Gäste der Pension tragen entscheidend zur Wirkung des Abends bei: Simon Allmacher-Koch bringt als Hajo Zeisig eine wandelbare Bühnenpräsenz ein, Veronika Schneider sorgt als Dr. Silke Hufenreuther mit kühler Kontrolle für zusätzliche Spannung, und Karina Aselmeyer setzt als strenge Hotelprüferin Astrid Pfefferbein klare, pointierte Akzente.
Die Regie von Alex Groth und Saskia Wolf beweist ein sicheres Gespür für Ensembleführung und Rhythmus. Die facettenreichen Rollen greifen ineinander und entwickeln gemeinsam ein geschlossenes Gesamtbild, das von Tempo, präzisem Timing und pointierten Dialogen lebt. Szenenwechsel erfolgen fließend, Spannungsbögen werden konsequent aufgebaut und wirkungsvoll aufgelöst.
Unterstützt wird die Inszenierung durch eine stimmige technische Umsetzung. Gerade die sorgfältige Ausarbeitung von Kostümen und Maske verleiht den Figuren zusätzliche Tiefe und Wiedererkennbarkeit.
Die Reaktion des Publikums spricht für sich: Immer wieder kommt es zu Szenenapplaus und herzhaftem Gelächter, bevor der Abend in langanhaltendem, begeistertem Applaus mündet. Dass sämtliche weitere Vorstellungen bereits ausverkauft sind, erscheint nach dieser Premiere folgerichtig. Aktuell wird geprüft, ob zusätzliche Aufführungstermine realisiert werden können.
Mit „Halbpension mit Leiche“ zeigt das Petermännchen-Theater eindrucksvoll, dass Mut zum Genrewechsel und ein starkes Ensemble zu einem rundum gelungenen Theatererlebnis führen können.