Quacksalber kam am Vierherrenstein vor Gericht

Schultheiße luden zum traditionellen Dreikönigstreffen ein

Nach alter Tradition wurden auch diesmal am Sonntag nach dem Dreikönigstag am Vierherrenstein zwischen den Gemeinden Lochum, Linden, Rotenhain und Wölferlingen Frevel und Verfehlungen gesühnt. In diesem Jahr stand ein Quacksalber vor Gericht, der in Hachenburg und den umliegenden Ortschaften mit

seinen dubiosen Heilmitteln von sich Reden machte.


 
Auch das gemeine Volk war eingeladen, dem Spektakulum beizuwohnen und so einen würdigen Rahmen zu verleihen. Einige der rund 200 Besucher kamen gewandet. Darunter auch Rosl Kanz aus Bellingen, die auch für die schönen Kostüme der rund 20 Mitwirkenden verantwortlich war. Im Mittelpunkt dieses Treffens stand ein Theaterstück in mehreren Szenen.

Federführend für diese Veranstaltung war der Verein Historica Rotenhain. Geladen waren die vier Bürgermeister von Rotenhain (Thomas Ziomek), Linden (Roland Müller), Wölferlingen (Christof Simon) und Lochum (Frank Petmecky). Ebenso die Verbandsbürgermeister von Hachenburg (Peter Klöckner), Westerburg (Gerhard Loos, dieses mal vertreten durch den Beigeordneten Bernd Wisser) und der VG-Bürgermeister von Selters (Klaus Müller, vertreten vom Beigeordneten Edgar Deichmann).

Darunter auch Rosl Kanz aus Bellingen, die auch für die schönen Kostüme der rund 20 Mitwirkenden verantwortlich war. Im Mittelpunkt dieses Treffens stand ein Theaterstück in mehreren Akten.

                 Albert Schaad führte Regie
Buch und Regie für dieses Theaterstück lagen erneut in den Händen von Albert Schaad aus Rotenhain. Die Geschichte bezog sich auf eine wahre Begebenheit. So fand der Heimathistoriker Volker Benner in der Deutschen Zeitung vom 12. April 1792 einen Artikel über einen sogenannten Wunderheiler, der in Hachenburg und Umgebung seine Dienste anbot. In der folgenden Stunde wurden die zahlreichen Besucher Zeuge davon, wie der Wunderheiler aus Hachenburg (Johannes Brunenberg) versuchte, Halsschmerzen und Fieber zu behandeln.

Buch und Regie für dieses Theaterstück lagen erneut in den Händen von Albert Schaad aus Rotenhain

Als Lohn erhielt Wunderheiler Johannes, wie er allseits genannt wurde, Wurstbrote, Eier und andere Lebensmittel. Sie gaben ihm auch schöne Kleider und Gewänder, die er immer wieder wechselte, um nicht erkannt zu werden. Viele Menschen, die sich die Kosten von Arzt und Apotheker nicht leisten konnten, suchten bei ihm Hilfe und unterstützten ihn.

Dazu zählten auch drei Frauen aus der Region, die mit ihren Familien (Alexandra Petmecky und Tomm Schwertel mit Hannah und Frederick; Heidi Spreen mit Hannah Roth und Volker Herold) ihr Leid klagten und auf baldige Heilung hofften. Die verschiedenen Szenen, die in Hachenburg, Lochum und Rotenhain spielten, sorgten immer wieder für laute Lacher.

                    Dubiose Heilmethoden
Doch die Methoden des Wunderheilers halfen nicht immer und die dubiosen Heilmethoden wurden von der Bevölkerung in Frage gestellt. Schließlich nahm ihn die Polizei als Scharlatan und Kurpfuscher gefangen. Nun war es Aufgabe der Schultheiße der Gemeinden Lochum, Linden, Rotenhain und Wölferlingen, zusammen zu kommen und Gericht zu halten. 



In die Rolle des Schultheiß von Hachenburg schlüpfte Peter Klöckner (Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hachenburg). Ebenfalls aus Hachenburg angereist waren der Polizist (Kai Henrici), der Apotheker (Berthold Hehl) und der Arzt (Pierre Busch). Auch zwei Polizisten (Wolfram Kornmann und Josef Rystwei) des Nassauischen Grafen wurden vor Gericht gehört. Als Schultheiß von Lochum sprach Frank Petmecky (Ortsbürgermeister von Lochum) und als Gemeinderatsmitglied Karin Brunenberg. Unter den Zuschauern waren auch der Bürgermeister von Rotenhain, Thomas Ziomek sowie der Beigeordnete der Verbandsgemeinde Westerburg, Bernd Wisser, der in Vertretung von VG-Bürgermeister Gerhard Loos gekommen war.  

                    50 Stockschläge
Der Vogt des Rotenhainer Gerichts (Franz-Josef Höffner) hörte verschiedene Zeugen an. In Absprache mit den Schulheißen von Hachenburg und Wölferlingen schlug der Lochumer Ortschef als Strafe 50 Stockschläge vor. „Er muss unseren ganzen Machtbereich verlassen, der bis an den Rhein geht, und weil wir nicht ganz unmenschlich sein wollen, kann der sich dann dort unten am Rhein Wunderheiler honoris causa nennen“, so das Urteil. Vom Verlies in Hachenburg kam der Scharlaten dann an den Rhein mit der Auflage, sich nie wieder im Westerwald blicken zu lassen, sonst werde die Strafe verdoppelt. Mit kräftigem Beifall honorierte das gemeine Volk das amüsante Schauspiel.


Für das leibliche Wohl sorgte in diesem Jahr Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr aus Wölferlingen. Sie boten neben deftiger Erbsensuppe mit Wurst und Brot auch verschiedene heiße und auch erfrischende Getränke an.

Schon jetzt hat Volker Benner neue Ideen für ein Theaterstück, denn die alte Tradition, die im Jahr 2009 wieder aufgelebt wurde, soll im nächsten Jahr erneut ein Spektakulum der Schultheiße der vier Gemeinden bieten und viele Schaulustige anlocken.