Mittelalterliches Treiben beim Burgfest in Rotenhain

Spektakel rund um die alte Motte lockte wieder viele Besucher an

Spaß und Unterhaltung standen im Mittelpunkt des dritten großen Burgfestes in Rotenhain. Bei strahlendem Sonnenschein genossen viele Besucher das bunte Treiben rund um die Motte.

Seit der Einweihung des historischen Gemäuers im Jahr 2011 zieht der Verein Historica Rotenhain jedes Jahr am ersten Juniwochenende zahlreiche Familien und Mittelalterfans an, die sich das bunte Treiben und das Marktgeschehen außerhalb der 600-Seelen-Gemeinde anschauen wollen.

Über drei Tage erstreckt sich das Westerwälder Spektakel an der Alten Burg, die 1997 zufällig bei Wegebauarbeiten entdeckt, in den Grundmauern freigelegt und schließlich wieder aufgebaut wurde. Sie wurde auf den Originalfundamenten der ursprünglichen, nur noch in den Grundmauern erhaltenen Motte errichtet.

Insgesamt kam das Spektakulum bei Besuchern und Schaustellern auch dieses Jahr wieder gleichermaßen gut an und erntete vielfach Lob für das schöne Ambiente und die hervorragende Organisation. Das Wetter trug mit viel Sonnenschein dazu bei, zahlreiche kleine und große Besucher in die Westerwälder Gemeinde zu bringen.

Nachdem der Wegezoll entrichtet wurde, darf man sich nicht nur durch die obligatorischen Bratwurstbratereien und Warenstände schlängeln; wer aufmerksam ist, bekommt einiges an Handwerk zu sehen. Ehragon der Korbflechter ist genauso vertreten wie eine Schmiede, in der gleich mehrere Stahlkünstler über den heißen Eisen schwitzen.  Der Schuhmacher Aladin erklärt den Weg von der Kuh zum Schuh und eine Drechselwerkstatt bietet den Besuchern die Möglichkeit, das Hobeln und Drehen einmal per Hand auszuprobieren.

"Ganz schön tapfer, der kleine Knopf", tönt einer der sechs Ritter, denen sich der sechsjährige Kylian gerade beim Schaukampf im Lager entgegenstellt. Zugegeben, dass ihm die Sache nicht ganz geheuer war, als er mehr oder weniger freiwillig vom Zuschauer zum Mittelpunkt des Interesses in der Arena wurde. Das sieht man ihm auch an.

Doch wenig später sind die Bedenken verflogen und mit einem "echten" Schwert in der Hand stürmt er gegen die Recken - und die fallen wie die Fliegen. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht wird der Junge zum Sieger gekürt.

Buchstäblich schweißtreibendes Handwerk betreibt auch der Mann an der Kurbel des Gauklerspiels, eines handbetriebenen und somit historisch weitestgehend korrekten Kinderkarussells. Überhaupt wird den Kindern einiges geboten: beim Eier knacken können sie ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen, dem Geschichtenerzähler lauschen oder in der 2011 restaurierten Alten Burg zu Rotenhain mit Marzipan kneten. Das heißt, wenn sie an den Wachen am Eingang vorbeikommen. Doch Ritter Tarothin und Ritter Dermot sind trotz gefährlichen, weil geharanischten und bewaffneten ersten Eindrucks sehr umgänglich.

Sie gehören zum Freien Lager zum Sporgenwald, einer kleinen Gemeinschaft von Mittelalterfreunden. Die Gruppe sich trifft regelmäßig, um ihrem Hobby nachzugehen oder sich an einem Lagerleben wie in Rotenhain zu beteiligen. "Leider  gibt es inzwischen einige Gruppen, die nicht mehr an solchen öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen", erklärt Tarothin, "die lieber unter sich bleiben". Die Ritter aus dem Sporgenwald, den man heute auch als Westerwald kennt, wollen offen bleiben und Ritter Dermot ergänzt lachend: "Wir sind Westerwälder, aber keine Basaltköpfe!".  Gerade das Lagerleben ist für die Besucher eines mittelalterlichen Spektakulums auch immer ein Erlebnis.

Vor den "Söldnern" wird schon einmal "gewarnt" und auch das Schild am Eingang ihres Lagers wirkt nicht besonders einladend - alles immer mit einem sympathischen Augenzwinkern versehen. Von dem Bettler, der zitternd und in ein paar Fetzen gewandet umherstreift, nimmt man instinktiv Abstand und sucht mit vorsichtigem Blick nach Pestbeulen und eiternden Wunden im Gesicht des Aussätzigen. Wenig später erzählt er, wie er bei einem anderen Ritterfest in den Burggraben gesprungen ist. "War viel zu kalt", erklärt er, "aber heute könnte es gehen". Woanders spielt eine Gitarre und wenig später kommt eine Geige hinzu. Gerne bleibt man nun ein paar Minuten stehen und lässt sich einige hundert Jahre zurück versetzen. Die Authentizität der Kleidung und der Zelte macht das Lager in Rotenhain zu einem Erlebnis.

Einigen durfte die Anlage schon aus Anlass der Westerwälder Wurstwanderung im letzten November bekannt sein, bei der die Teilnehmer unter anderem an der "Alten Burg" Station machten. Darüber hinaus macht sich der Rotenhainer Ortsverein mit zahlreichen Events um die Popularität seiner Ortsgemeinde verdient.
 
Text und Fotos: Benjamin Maiorano